
Bewusstsein
Bewusstsein und Gewahrsein sind zwei verschiedene Dinge. Bewusstsein ist wie ein Ozean. Das normale menschliche Bewusstsein ist in der Regel begrenzt, doch im höheren, göttlichen Bewusstsein dehnt sich alles aus und wächst in ein erfüllenderes Licht hinein. Sri Chinmoy beschreibt, welche Bewusstseinsebenen es gibt, was das höchste Bewusstsein ist und wie man es erlangen kann.
Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen menschlichem Bewusstsein und göttlichem Bewusstsein?
- Haben wir Kontrolle über unser Bewusstsein?
- Wie kann ich an meinem Bewusstsein arbeiten?
- Könntest du bitte kurz über die verschiedenen Bewusstseinsebenen sprechen?
- Sind Sat, Chit und Ananda alle auf derselben Ebene oder auf verschiedenen Ebenen?
- Kann ein Mensch das Unendliche erkennen?
- Aber du bist nicht unendlich.
- Es gibt sieben Ebenen des Bewusstseins in der spirituellen Entwicklung. Wie kann ich feststellen, zu welcher Ebene ich gehöre?
- Wie bist du auf den Gedanken gekommen, dass es in dir ein inneres Selbst gibt? Und nachdem du entdeckt hattest, dass du ein inneres Selbst hast, warst du nicht beunruhigt darüber, dass du dich vom Rest der Welt getrennt fühltest?
- Wie können wir unser Bewusstsein heben, wenn wir uns durch negative Kräfte bedroht fühlen?
- Sollte man zuerst das höchste Bewusstsein verwirklichen oder erreichen, bevor man sich mit nicht strebenden Menschen befasst?
- Was ist Unbewusstheit?
- Wenn man von mineralischem, pflanzlichem, menschlichem und göttlichem Bewusstsein spricht, was bedeuten diese Ausdrücke genau?
- Wenn unser Bewusstsein während unserer Träume niedrig ist, schadet es uns spirituell?
Was ist der Unterschied zwischen menschlichem Bewusstsein und göttlichem Bewusstsein?
Sri Chinmoy: Menschliches Bewusstsein besteht in erster Linie aus Begrenzung, Unvollkommenheit, Bindung und Unwissenheit. Dieses Bewusstsein will hier auf der Erde bleiben. Es findet Freude im Endlichen: in der Familie, in der Gesellschaft, in irdischen Angelegenheiten. Göttliches Bewusstsein besteht aus Frieden, Glückseligkeit, göttlicher Kraft und so weiter. Seine Natur ist es, sich beständig auszudehnen. Menschliches Bewusstsein fühlt, dass es nichts Wichtigeres gibt als irdisches Vergnügen. Göttliches Bewusstsein fühlt, dass es nichts Wichtigeres und Bedeutsameres gibt als himmlische Freude und Glückseligkeit auf Erden. Menschliches Bewusstsein versucht uns davon zu überzeugen, dass wir von Wahrheit und Erfüllung weit entfernt sind. Es versucht uns fühlen zu lassen, dass Gott irgendwo anders ist, Millionen von Meilen entfernt. Doch göttliches Bewusstsein lässt uns fühlen, dass Gott unmittelbar hier ist, in jedem Lebensatem, in jedem Herzschlag, in allem und jedem um uns herum.
Menschliches Bewusstsein lässt uns fühlen, dass wir ohne Gott existieren können. Wenn es sich in tiefer Unwissenheit befindet, fühlt das menschliche Bewusstsein, dass für Gott keinerlei Notwendigkeit besteht. Es gibt Millionen und Milliarden von Menschen, die nicht beten oder meditieren. Sie denken: „Wenn es Gott gibt, dann ist das gut und schön. Wenn es Ihn nicht gibt, haben wir auch nichts verloren.“ Auch wenn sie vielleicht ständig das Wort „Gott“ gebrauchen, interessiert sie die Wirklichkeit, die Existenz Gottes weder im Himmel noch in ihrem alltäglichen irdischen Leben.
Göttliches Bewusstsein ist völlig anders. Selbst das begrenzte göttliche Bewusstsein, das wir haben, lässt uns fühlen, dass in jedem Moment eine höchste Notwendigkeit für Gott besteht. Es lässt uns fühlen, dass wir nur deshalb auf der Erde sind, weil Er existiert. Und wenn wir göttliche Gedanken hegen, lässt uns das göttliche Bewusstsein fühlen, dass Er es ist, der uns inspiriert, diese göttlichen Gedanken zu haben. In allem lässt uns das göttliche Bewusstsein fühlen, dass es einen göttlichen Sinn, eine göttliche Absicht, ein göttliches Ideal, ein göttliches Ziel gibt. Im gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein gibt es keinen Sinn, kein positives Ziel; es ist nur ein verrückter Elefant, der Amok läuft.
Im göttlichen Bewusstsein gibt es immer ein Ziel, und dieses Ziel wächst ständig über sich selbst hinaus. Heute betrachten wir etwas als unser Ziel, aber wenn wir die Schwelle unseres Zieles erreichen, sind wir sofort inspiriert, über dieses Ziel hinaus zu gehen. Unser Ziel wird zum Ausgangspunkt für ein höheres Ziel. Das geschieht, weil Gott unaufhörlich über sich Selbst hinaus wächst. Gott ist grenzenlos und unendlich, aber Er transzendiert selbst Seine Eigene Unendlichkeit. Da Gott immerzu Fortschritt macht, machen auch wir Fortschritt, wenn wir im göttlichen Bewusstsein sind. Im göttlichen Bewusstsein dehnt sich alles aus und wächst fortwährend in ein höheres und erfüllenderes Licht hinein.
Haben wir Kontrolle über unser Bewusstsein?
Sri Chinmoy: Ein gewöhnlicher Mensch hat keine Kontrolle über sein Bewusstsein. Ein spiritueller Mensch jedoch kann sein Bewusstsein beherrschen. Er versucht ein besseres Leben, ein höheres Leben zu führen und indem er das versucht, bringt er das Licht des Jenseits in die Dunkelheit der gegenwärtigen Welt herab.
Wie kann ich an meinem Bewusstsein arbeiten?
Sri Chinmoy: Denke gar nicht daran, etwas zu tun. Halte einfach die Tür deines Bewusstseins offen, um zu sehen, ob es ein Dieb oder ein Gast ist, der hereinkommt. Erlaube nur solchen Gedanken einzutreten, die du haben willst. Lass die niederen Gedanken draußen. Öffne die Tür den höheren, erhabeneren Gedanken. Das ist der erste Schritt, um an deinem Bewusstsein zu arbeiten. Die weiteren Schritte werden von innen her zu dir kommen.
Könntest du bitte kurz über die verschiedenen Bewusstseinsebenen sprechen?
Sri Chinmoy: Es gibt drei Hauptzustände des Bewusstseins: Jagriti, Swapna und Sushupti. Jagriti ist der Wachzustand, Swapna ist der Traumzustand und Sushupti ist der Zustand des Tiefschlafs. Wenn wir im Wachzustand sind, ist unser Bewusstsein nach außen gerichtet; wenn wir im Traumzustand sind, ist unser Bewusstsein nach innen gerichtet, und wenn wir im Zustand tiefen Schlafes sind, bewegt sich unser Bewusstsein im Jenseits.
Wenn wir uns im Wachzustand befinden, heißt die Identifikation, die wir mit etwas oder jemandem machen, Vaishwanara, das, was allen Menschen gemeinsam ist. Wenn wir im Traumzustand sind, identifizieren wir uns mit Tejasa, welches unsere innere leuchtende Fähigkeit ist, unsere innere Kraft. Und wenn wir in tiefen Schlaf eintreten, identifizieren wir uns mit dem Subtilen und erfahren das Subtile. In diesem dritten Zustand haben wir es nicht mit dem mentalen Bewusstsein, nicht mit dem intellektuellen Bewusstsein, sondern mit dem inneren intuitiven Bewusstsein zu tun. In Sushupti gibt es keine kollektive Form; alles ist unbestimmt; alles ist eine unendliche Masse. In diesem Zustand erhalten wir eine Erfahrung von sehr hohem Rang.
Es gibt noch einen vierten Zustand, Turiya, das transzendentale Bewusstsein. Dieses Bewusstsein ist weder äußerlich noch innerlich; gleichzeitig ist es sowohl äußerlich als auch innerlich. Es ist und es ist nicht. Es hat die Fähigkeit, sich mit allem und jedem in der Welt zu identifizieren, und zugleich hat es die Fähigkeit, alles und jedes auf Erden zu transzendieren. Darüber hinaus transzendiert es sich ständig selbst. Turiya ist der höchste Zustand des Bewusstseins, aber es gibt kein Ende, keine feste Grenze für das Turiya-Bewusstsein. Es transzendiert und übersteigt beständig sein eigenes Jenseits.
Der Turiya-Zustand ist wie auf dem Wipfel eines Baumes zu sein. Wenn wir uns am Fuße des Baumes befinden, sehen wir mit großer Schwierigkeit ein wenig von dem, was um uns herum ist. Wenn wir uns aber auf dem Baumwipfel befinden, sehen wir alles um uns herum und unter uns. Wenn wir also in den Zustand von Turiya eintreten, haben wir die höchste Ebene des Bewusstseins erreicht. Von dort aus können wir alles überblicken.
Um in den Turiya-Zustand einzutreten, müssen wir mindestens fünf oder zehn Minuten am Tag bewusst unseren Körper von unserer Seele trennen. Wir müssen sagen und fühlen: „Ich bin nicht der Körper; ich bin die Seele.“ Wenn wir sagen: „Ich bin die Seele,“ dann kommen sofort die Eigenschaften der Seele zum Vorschein. Wenn wir eins mit der Seele sind, dann ist dieser Zustand eine Art von Samadhi. Wir können in diesem Zustand sicher und effektiv funktionieren.
Sind Sat, Chit und Ananda alle auf derselben Ebene oder auf verschiedenen Ebenen?
Sri Chinmoy: Sat-Chit-Ananda ist ein dreifaches Bewusstsein. „Sat“ ist Sein, „Chit“ ist Bewusstsein, und „Ananda“ ist Glückseligkeit. Du kannst sie trennen, wenn du willst, und gleichzeitig kannst du sie als eines ansehen. Wenn jemand Sein erlangt, dann findet er im Sein auch Bewusstsein. Und wenn jemand Bewusstsein hat, dann ist darin auch Glückseligkeit. Es ist wie bei einer Wohnung oder einem Stück Land. Du kannst dem Stück Land einen Namen geben, oder wenn du es teilen willst, kann jedes Stück einen anderen Namen tragen. Doch die Wirklichkeit des einen Teils wird unweigerlich im anderen zu finden sein. Sie ergänzen einander.
Sat-Chit-Ananda ist das dreifache Bewusstsein auf der höchsten Ebene, und diese Ebene ist nur für die wenigen Auserwählten. Sat-Chit-Ananda zu erreichen, ist etwas außerordentlich Schwieriges. Vielleicht zwanzig oder dreißig Meister haben es erreicht und sind auf dieser Ebene geblieben, aber höchstens ein oder zwei können es verkörpern. Einige Meister haben diese Ebene erreicht und sind sofort wieder herabgekommen, da sie zu hoch für sie war. Es ist viel leichter, den erleuchteten Verstand oder den Supermind zu erreichen, doch Sat-Chit-Ananda ist absolut das Höchste. Dieses Bewusstsein ist fast unmöglich zu erlangen, selbst für spirituelle Meister.
Kann ein Mensch das Unendliche erkennen?
Sri Chinmoy: Sicherlich. Wenn du in mein Bewusstsein eintreten könntest, dann würdest du das Unendliche erkennen.
Aber du bist nicht unendlich.
Sri Chinmoy: Du siehst mich jetzt als einen Menschen, aber wenn du in mein Bewusstsein eintrittst, wirst du das unendliche Bewusstsein sehen. Wenn du mit mir meditierst, kann ich in dich eintreten und das unendliche Bewusstsein in dir sehen, aber du hast diese Kraft im Augenblick noch nicht. Du bist nicht nur ein Mensch mit Händen und Füßen; du bist von Gott gekommen und du hast in dir alle Möglichkeiten, Gott zu erkennen und zu verwirklichen.
Ein Mensch ist in seinem äußeren Leben oder seinen äußeren Errungenschaften sehr begrenzt. Doch wenn derselbe Mensch in die innersten Winkel seines Herzens eintaucht, fühlt er, dass dort etwas ist, das sich fortwährend auszudehnen versucht. Das ist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein verbindet ihn mit dem Höchsten Absoluten. Wenn wir daher fragen, wie ein Mensch in seinem endlichen Leben Unendlichkeit erlangen kann, dann müssen wir wissen, dass er die Unendlichkeit nicht in seinem physischen Körper, in seinen Armen und Beinen oder in seinen Augen erlangen wird, sondern in seinem inneren Bewusstsein.
Es gibt sieben Ebenen des Bewusstseins in der spirituellen Entwicklung. Wie kann ich feststellen, zu welcher Ebene ich gehöre?
Sri Chinmoy: Du kannst erkennen, zu welcher Ebene du gehörst, wenn du deinen äußeren Verstand in das Meer deines strebenden Herzens wirfst, dessen Quelle Bewusstsein ist. Dieses Bewusstsein ist der Lebensatem aller Ebenen. Das Gewahrsein dieses Bewusstseins gibt dir unmittelbar die Erkenntnis deines Status, wo du warst, wo du jetzt bist und wie weit du noch zu gehen hast.
Nachdem du dir deiner Ebene bewusst geworden bist, versuche deine täglichen Aktivitäten von dort aus zu verrichten. Der leichteste und effektivste Weg, von dieser Ebene aus zu operieren, ist dein äußeres Wesen zu einem bewussten und geweihten Instrument deiner inneren Vision und deines inneren Willens zu machen.
Nehmen wir in deinem Falle einmal an, dass du vom intuitiven Verstand her handeln willst. Wenn du diese Ebene einmal gesehen hast und dir ihrer bewusst bist, kannst du versuchen, mithilfe deines psychischen Strebens und deines entschlossenen Willens dort zu verbleiben. Das ist der wahre Weg, um Meisterschaft über eine bestimmte Ebene zu erlangen.
Wie bist du auf den Gedanken gekommen, dass es in dir ein inneres Selbst gibt? Und nachdem du entdeckt hattest, dass du ein inneres Selbst hast, warst du nicht beunruhigt darüber, dass du dich vom Rest der Welt getrennt fühltest?
Sri Chinmoy: Ich habe seit meiner Kindheit intuitiv gewusst, dass es in mir ein tieferes Selbst gibt. Jeder von uns hat ein inneres Selbst. Einige sind sich dieses inneren Selbstes bewusst, andere nicht. Diejenigen, die sich dieses inneren Selbstes bewusst sind, sind unserer Ansicht nach spirituell entwickelt. Was sie tun können, um eine Synthese zwischen der äußeren Welt und der inneren Welt, zwischen dem äußeren Wesen und dem inneren Wesen zu schaffen, ist eine brennende Flamme inneren Strebens zu haben. Dieses innere Streben beruht auf äußerem und innerem Selbstopfer.
Nehmen wir einmal an, dass du dein inneres Selbst und dein inneres Leben und die Antworten auf die Fragen deiner inneren Probleme gefunden hast. Aber die Person nebenan ist sich des inneren Lebens und der inneren Welt absolut nicht bewusst. Nun wird es für dich sehr schwierig sein, mit ihr ein gewisses Verständnis zu erreichen und umgekehrt genauso. Sie kann nicht so einfach in dein Bewusstsein eintreten. Für sie ist es sehr schwierig, in dich einzutreten.
Was du während deiner Meditation oder Konzentration tun kannst, um eine Brücke zwischen euch beiden zu bauen, ist folgendes: Du kennst die Person gut, sehr gut sogar. Zuerst gehst du tief nach innen, und von dort bringst du alle deine süßen, subtilen und harmonischen Gefühle zum Vorschein. Alles kommt aus deinem Inneren. Du bringst all diese subtilen und schönen Gefühle hervor und wirfst sie dann bewusst während deiner Meditation in diese Person: in ihren Verstand, in ihren Körper, in ihr Herz. Damit hast du eine Brücke zwischen euch beiden errichtet.
In deiner inneren Welt bist du sicher. Du fühlst, dass die innere Welt dir enormes Vertrauen gegeben hat, um der äußeren Welt gewachsen zu sein. Jetzt kannst du zu dieser Person gehen und mit ihr über das spirituelle Leben, das innere Leben sprechen, über das Leben, das dir wahres Glücklichsein schenkt. Sie kann es für sich selbst versuchen. In dieser Welt läuft jeder dem wahren Glück und der wahren Erfüllung hinterher. Wenn jemand zufrieden damit ist, etwas erreicht zu haben, wird sich am nächsten Tag wieder Unzufriedenheit breit machen. Man will mehr. Die Zufriedenheit von heute wird nicht die Zufriedenheit von morgen sein. Sie wird die Unzufriedenheit von morgen sein.
Zuerst also nährst du in dir dein inneres Wesen durch Meditation, so wie man eine Pflanze jeden Tag gießt. Dann trittst du mit deiner kreativen Manifestation in die äußere Welt, um eine Brücke zu schlagen zwischen deinen inneren Errungenschaften und der äußeren Welt, in der deine zukünftige Erfüllung stattfinden wird.
Wie können wir unser Bewusstsein heben, wenn wir uns durch negative Kräfte bedroht fühlen?
Sri Chinmoy: Wenn wir durch negative Kräfte bedroht werden, müssen wir fühlen, dass wir in uns den stärksten Freund haben und dass dieser Freund die Seele ist. Lasst uns unter den Flügeln der Seele Zuflucht nehmen. Lasst uns die Seele anrufen und um ihre Führung bitten. Wenn wir diesen Freund herbeirufen, wird er natürlich für uns gegen die negativen Kräfte kämpfen; die Seele wird uns retten, schützen, erleuchten und vervollkommnen.
Sollte man zuerst das höchste Bewusstsein verwirklichen oder erreichen, bevor man sich mit nicht strebenden Menschen befasst?
Sri Chinmoy: Zuerst musst du das Höchste verwirklichen. Nur dann kannst du es wagen, dich mit nicht strebenden Menschen zu befassen. Wenn du dich mit nicht strebenden Menschen abgibst, ist es so, als würdest du eine Nervenheilanstalt besuchen. Solange du nicht selbst sehr stark bist, wirst du auch beeinflusst werden.
Wenn du strebst, brauchst du nicht das Höchste zu erreichen, um anderen strebenden Menschen zu helfen. Während du hoch, sehr hoch hinauf steigst, kannst du deinen jüngeren Geschwistern helfen, die zwar streben, aber noch nicht so weit hinauf geklettert sind wie du. Doch es ist Dummheit zu versuchen, Menschen zu helfen, die überhaupt nicht streben. Du wirst ihre Natur nicht ändern können, weil sie sich nicht ändern wollen.
Zu einem Sucher, der noch nicht verwirklicht ist, sagt Gott gewöhnlich: „Strebe innerlich, und wenn du, während du höher steigst, jemanden siehst, der ein wenig hinter dir ist, dann hilf ihm, inspiriere ihn und führe ihn, damit er auch die Höhe erreichen kann, auf der du bist. Aber gib dich nicht mit unstrebsamen Menschen ab, denn wenn du das tust, wirst du niemals innerlich streben. Und wenn du nicht innerlich strebst, wie willst du Mich dann verwirklichen?“
Lasst uns daher weise sein. Lasst uns zuerst eine gewisse Höhe erreichen und mit denen zusammen sein, die streben. Wenn wir dann das Höchste erreicht haben und es Gottes Wille ist, können wir uns unter Menschen mischen, die nicht innerlich streben.
Was ist Unbewusstheit?
Sri Chinmoy: Unbewusstheit ist eine Bewusstseinsebene, wo es kein Licht gibt, nicht einmal einen Funken Licht.
Wenn man von mineralischem, pflanzlichem, menschlichem und göttlichem Bewusstsein spricht, was bedeuten diese Ausdrücke genau?
Sri Chinmoy: Im mineralischen Bewusstsein ist praktisch kein Licht, und im pflanzlichen Bewusstsein gibt es nur einen Lichtstrahl. Im menschlichen Bewusstsein kann es begrenztes Licht geben. Menschliches Bewusstsein kann jedoch unbegrenztes Licht beherbergen, so wie es bei sehr fortgeschrittenen Suchern der Fall ist. Das göttliche Bewusstsein schließlich verkörpert grenzenloses, unendliches Licht.
Wenn unser Bewusstsein während unserer Träume niedrig ist, schadet es uns spirituell?
Sri Chinmoy: Wenn unser Bewusstsein zu irgendeiner Zeit niedrig und unstrebsam ist, dann schadet es dem Sucher in uns. Die Art von Träumen, die wir haben, wenn wir in einem niedrigen Bewusstsein sind, sind unserem inneren Leben abträglich. Wenn wir Träume von einer niedrigen Bewusstseinsebene haben, dann ist es das Beste, am nächsten Tag aufrichtiger, ergebener und seelenvoller zu meditieren. Auf diese Weise können wir verhindern, dass diese ungöttlichen Träume erneut in uns eindringen. Unstrebsame Träume verdunkeln unseren geistigen Himmel, schaden unserem strebenden und dynamischen Vitalen und versuchen sogar, unsere physische Gesundheit zu zerstören.
