
Ewigkeit
Unser Körper, die physische Welt allgemein, schenkt uns die Erfahrung des Todes, doch die Seele stirbt nicht. Wir können lernen, schon jetzt in der Ewigkeit der Seele zu leben.
Kannst du bitte etwas über Ewigkeit und das ewige Leben sagen?
Sri Chinmoy: Da ich ein spiritueller Mensch bin, kann ich aufgrund meiner eigenen inneren Verwirklichung sagen, dass die Seele nicht stirbt. Wir wissen, dass wir ewig sind. Wir sind von Gott gekommen, wir sind in Gott, wir wachsen in Gott hinein und wir werden Gott erfüllen. Leben und Tod gleichen zwei Zimmern; vom Leben zum Tode überzugehen ist wie von einem Zimmer ins andere zu gehen. Hier, wo ich mich gerade befinde, ist mein Wohnzimmer. Hier spreche ich zu euch, meditiere mit euch, schaue euch an. Hier muss ich meinen physischen Körper zeigen; hier muss ich arbeiten und aktiv sein und mein Leben zeigen. Dann gibt es ein anderes Zimmer, mein Schlafzimmer. Dort ruhe ich mich aus und schlafe. Dort brauche ich mein Dasein niemandem zu zeigen; ich bin ganz für mich allein.
Wir kommen vom unendlichen Leben, vom göttlichen Leben. Dieses unendliche Leben weilt auf Erden nur für eine kurze Zeitspanne von, sagen wir, fünfzig oder sechzig Jahren. In dieser Zeit tragen wir in uns das erdgebundene Leben. Aber in diesem erdgebundenen Leben ist das grenzenlose Leben. Nach einer Weile durchquert dieses Leben wieder den Korridor des Todes für fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre. Wenn wir diesen Korridor betreten, verlässt die Seele den Körper für eine längere oder kürzere Pause und kehrt wieder in das Reich der Seele zurück. Wenn der Mensch spirituell war, wird die Seele dort das ewige Leben, das göttliche Leben zurück gewinnen, welches vor der Geburt existierte, welches zwischen Geburt und Tod existiert, welches im Tod existiert und gleichzeitig über den Tod hinausgeht.
Während wir hier auf der Erde leben, können wir uns durch unser inneres Streben und unsere Meditation in das Reich des ewigen Lebens begeben. Doch indem wir in das endlose Leben eintauchen, bedeutet das noch nicht, dass wir es auch besitzen; dazu müssen wir bewusst in es hineinwachsen. Wenn wir in das Leben der Meditation eintauchen, müssen wir schließlich zu einem festen Bestandteil der Meditation werden. Und wenn wir in der Lage sind, vierundzwanzig Stunden am Tag zu meditieren, atmen wir immerzu das endlose Leben ein. Dann sind wir in unserem inneren Bewusstsein eins mit der Seele geworden. Wenn wir im Körper leben, ist der Tod immer gegenwärtig. Sobald Angst in unseren Verstand eindringt, sterben wir. Sobald negative Kräfte eindringen, sterben wir. Wie oft sterben wir nicht jeden Tag! Angst, Zweifel und Furcht töten fortwährend unsere innere Existenz. Doch wenn wir in der Seele leben, gibt es keinen Tod. Dann gibt es nur die beständige Entwicklung unseres Bewusstseins, unseres strebenden Lebens.
